Sabbatjahr für die Natur

Der Boden muss sich erholen. Werden keine entsprechende Fruchtfolge und Ruhezeiten eingehalten verödet der Boden (Bodenverarmung).

Von Bodenverarmung spricht man, wenn durch Monokultur dem Boden ständig die gleichen Nährstoffe entzogen werden und sich somit die Bodenqualität vermindert. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Wüstenbildung führen.

Die Auswirkungen der Bodenverarmung führten in Mitteleuropa bis Anfang des 19. Jahrhunderts zu Hungersnöten und Migrationswellen der Bevölkerung, bis die Erforschung der Bodenfruchtbarkeit bzw. die Erfolge der Agrikulturchemie erhebliche Verbesserungen der Ertragssicherheit durch gezielte Düngung mit sich brachten.

Der Bodenverarmung kann neben der Ergänzung fehlender Nährstoffe durch organische und mineralische Düngung auch durch kulturtechnische Maßnahmen wie Fruchtwechsel, Mischkulturen, Kalkung, Humusieren, Gründüngung, Mulchen entgegengewirkt werden.

Eine gezielt herbeigeführte Bodenverarmung kann in überdüngten, eutrophierten Böden auch sinnvoll sein. Man kann einem Standort überschüssige Nährstoffe entziehen und damit die Sukzession der Pflanzengesellschaft bremsen – also die Artenvielfalt eines nährstoffarmen Standortes erhalten.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodenverarmung

Albertus Magnus

„Doctor universalis“ – dieser Ehrentitel charakterisiert den Dominikanermönch Albertus Magnus (ca. 1200 – 1280) absolut treffend. Er sammelte das Wissen seiner Zeit, ergänzte es durch eigene Erfahrungen und schrieb es auf. Mit seinen naturwissenschaftlichen Werken war er ein Wegbereiter einer ertragreicheren Landwirtschaft und damit des wirtschaftlichen Aufschwungs Mitteleuropas im Mittelalter.

300 Jahre Standard

„Ora et labora“, so lautet die Ordensregel des Benediktinerordens. Sie galt aber auch für den Dominikaner Albertus Magnus. Seine rund 70 Abhandlungen und Bücher füllen circa 22 000 Seiten. Der Universalgelehrte schuf ein unglaublich umfangreiches und vielseitiges Werk. Im Mittelpunkt stand die Theologie, aber auch die Naturwissenschaften nahmen einen breiten Raum ein. Sein siebtes Buch behandelt die Landwirtschaft. Darin beschreibt er unter anderem den Wasserhaushalt von Böden, die Bedeutung der Brache für die Bodenfruchtbarkeit und erklärt, an welchen Standorten bestimmte Kulturen ideal wachsen. Angesichts der damals häufigen Missernten und der stets darauf folgenden Hungersnöte war dies lebenswichtig. Seine Abhandlungen enthielten viele präzise Hinweise zum Wein-, Obst- und Gemüseanbau. Er widmete sich Schaderregern wie holzzerstörenden Pilzen und Fruchtfäulen und beschrieb, wie durch richtige Pflanzenernährung, Aussaattermine oder Pflanzenhygiene die Pflanzen vor Krankheiten, Unkräutern und Ungräsern geschützt und die Erträge verbessert werden konnten. Das alles fasste er in seinen Arbeiten zusammen, die über 300 Jahre als Standardwerk galten.

Aristoteles und eigene Erkenntnisse

Wie Albertus Magnus das alles geschafft hat, bleibt für uns ein Rätsel. Sein Zeitmanagement muss vorbildlich gewesen sein. Er arbeitete sogar selbst wissenschaftlich, legte zum Beispiel botanische Experimente an. Viele seiner Erkenntnisse sammelte er während langer „Dienstreisen“, die er gemäß der Ordensregel der Dominikaner zu Fuß bewältigte. Zwischen Köln, seinem wissenschaftlichen Dreh- und Angelpunkt, und Paris, Rom oder Regensburg boten sich viele Gelegenheiten, die Abläufe in der Natur und in der Landwirtschaft zu beobachten. Der Dominikaner gilt als einer der ersten eigenständigen Wissenschaftler des Mittelalters. Papst Pius XII. ernannte ihn 1941 sogar zum Schutzpatron der Wissenschaftler. Neben den eigenen Erkenntnissen berücksichtigte er das Wissen der Antike und des arabischen Kulturkreises. Die Überlieferungen des griechischen Gelehrten Aristoteles waren wichtige Quellen für ihn.

Wettlauf zwischen Pflug und Klapperstorch

Im frühen Mittelalter, etwa in den Jahren 700 - 1000 nach Christus, waren die Erträge der Landwirtschaft sehr niedrig. Die Getreideernte betrug nicht einmal das Doppelte der Aussaat. So konnten die Bauern kaum Vorräte für schlechte Zeiten zurücklegen. Bis dahin gab es noch keine geeigneten Pflüge zum Bearbeiten des Bodens. Immer wieder kam es zu Hungersnöten. Im 11. Jahrhundert wird sogar von hungerbedingtem Kannibalismus berichtet. Die Zeit war reif für eine erste landwirtschaftliche Revolution. Die „landwirtschaftliche Mission“ wurde geradezu zum Programm verschiedener Orden. Neben Albertus Magnus taten sich hier die Zisterzienser besonders hervor, sie schufen regelrechte Beispielsbetriebe. Denn Klöster mussten autark sein, um unabhängig von der Außenwelt zu sein. Also musste die klösterliche Landwirtschaft möglichst hohe Erträge abwerfen.

Ertragreiche Landwirtschaft bringt Wohlstand

Der Räderpflug, der Übergang von der Zwei- zur Dreifelderwirtschaft (mit verbesserter Fruchtfolge) sowie geeigneteres Zuggeschirr für Ochsen und Pferde ließen Erträge und Effizienz steigen – allen Krankheitsepidemien, Schädlingskalamitäten und ungünstigen Witterungseinflüssen zum Trotz. Im Jahr 1300 wurde bereits das Dreifache der Aussaat geerntet. Dank des „technischen Fortschrittes“ waren nicht mehr so viele Arbeitskräfte für die Nahrungserzeugung notwendig. Die höhere Produktion der Landwirtschaft ermöglichte eine weitere Arbeitsteilung und Spezialisierung. Das Handwerk und der Handel gewannen an Bedeutung. Nun entstanden Städte, die sich zu Verbraucherzentren entwickelten und vom landwirtschaftlichen Überschuss lebten. Eine starke Landwirtschaft war die Grundlage für Wohlstand, Macht und die kulturelle Blüte Mitteleuropas im Mittelalter. Allein von 1150 bis 1250 wuchs die Zahl der florierenden Städte von circa 200 auf 1500.

Quelle: http://www.iva.de/profil-online/schule-wissen/missionar-sachen-landwirtschaft-albertus-magnus